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Teilprojekt D14


Heroisierungsstrategien in Konflikten des Nahen Ostens seit den 1970er Jahren

 

Prof. Dr. Johanna Pink
Olmo Gölz

Orientalisches Seminar


Das Teilprojekt widmet sich der Evaluierung von Heroisierungsstrategien in gewaltsamen Konflikten des Nahen Ostens seit den 1970er Jahren. Analytischer Ausgangspunkt ist dabei die Beobachtung, dass sich in der jüngeren Regionalgeschichte staatliche wie nicht-staatliche Gewaltakteure eines breiten Repertoires an Heldenfiguren und Mechanismen der Heroisierung zur Mobilisierung in revolutionären Kontexten, Konflikten und Kriegen bedienten. Diese heroisch aufgeladenen Diskurse legitimieren oder delegitimieren Gewalthandeln, propagieren idealisierte Kämpfertypen oder fordern in letzter Konsequenz das heroische Selbstopfer im Sinne der Sache. Sie haben dazu beigetragen, dass sich sowohl im Nahen Osten als auch in Europa stereotypische Wahrnehmung von „Selbstmordattentätern“ oder eines „islamistischen Kämpfers“ durchgesetzt haben. Das geplante Teilprojekt konzentriert sich auf die Zeit zwischen den ausgehenden 1970er Jahren und den frühen 1990er Jahren, weil es davon ausgeht, dass die ideologischen, religiösen und politischen Gemengelagen in den zu untersuchenden nahöstlichen Konfliktkonstellationen dieses Zeitraums wesentlich dazu beitrugen, solche heroisierten bzw. dämonisierten oder antiheldischen Stereotype hervorzubringen.

Das Projekt will über die Offenlegung der zugrundeliegenden historischen Prozesse die Austauschbeziehungen zwischen opponierenden Konfliktparteien über die Analyse von Heroisierungs- und Dämonisierungsprozessen erfassen. So soll es nicht nur zu einem besseren Verständnis von Mechanismen der aktiven Produktion von Helden und Heroismen in einem spezifischen örtlichen und zeitlichen Kontext beitragen, sondern auch einen Theoriebeitrag formulieren, der das Heroische als Analyseinstrument in der Evaluation der Beziehungen zwischen Konfliktparteien mitdenkt. Darüber hinaus setzt sich das Teilprojekt zum Ziel, einerseits die jüngere Ideen-, Sozial- und Mediengeschichte in der Region in Bezug auf ein Themengebiet zu erforschen, das bisher noch nicht umfassend untersucht wurde; andererseits will es aktuelle Diskussionen zu Dschihadismus und Märtyrertum historisch vertiefen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass über die Analyse der medialen Heldenproduktion im Untersuchungszeitraum Aussagen über die Implementierung von Diskursformationen gemacht werden können, welche die Region des Nahen Ostens über die Jahrtausendwende hinweg prägten und die in gegenwärtigen Konflikten verstärkt reaktiviert werden.

Im Rahmen des Teilprojektes soll eine Habilitationsschrift verfasst werden, die die Dynamiken des Heroischen im Iran-Irak-Krieg (1980-1988) zum Thema hat und die Konsolidierung der jeweiligen Systeme über Heroisierungsprozesse auf der offiziell-ideologischen Diskursebene erfassen will. Die zentrale These lautet hier, dass die Analyse des Heroischen im Falle des Iran-Irak-Krieges und der sich in ihm verdichteten Diskurse in paradigmatischer Weise geeignet ist, die aus dem Krieg erwachsenen politischen Systeme beider Staaten zu charakterisieren.

 

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