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Vera Marstaller


Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Teilprojekt D10

Kontakt

Hebelstraße 25, Raum 00 004
79104 Freiburg
Tel.: 0761-203 67599

vera.marstaller@sfb948.uni-freiburg.de


Dissertationsprojekt "Visuelle Diskurse des Heroischen in Deutschland und Großbritannien. Kriegsfotografie im Zweiten Weltkrieg"

In den 1940er Jahren publizierte Fotografien von Helden und Heldinnen, von heroischen Taten und Haltungen sind weniger Zeugen dessen, wie es wirklich war; sie gestalten vielmehr gesellschaftliche Diskurse des Heroischen und repräsentieren verschiedene, nebeneinander existierende heroische Modelle. Die Dissertation untersucht Fotografien von Helden, die im Zweiten Weltkrieg aufgenommen und unter anderem in illustrierten Zeitschriften in Deutschland und Großbritannien ein großes Publikum erreichten. Je nach persönlichen, institutionellen und politisch-ideologischen Implikationen und jeweils aktueller Kriegslage überwanden die Fotografen mit Hilfe der Kamera Distanzen zwischen Front und Heimat und zwischen Aufklärung über das Kriegsgeschehen und propagandistischer Mythenbildung; aber ebenso konnten sie Distanzen herstellen zwischen denen, die ihre Fotos anschauten, und der Gewalt des Krieges, die den Bildern inhärent, aber nicht notwendig sichtbar war. Mit der Kriegsfotografie geht es demnach um ein ambivalentes und heterogenes Phänomen des Heroischen, das im Schnittfeld von Politik und Medien, Militär und omnipräsenter, organisierter Gewalt angesiedelt ist.

Als zeit- und mediengeschichtliche Studie rückt die Arbeit den Zweiten Weltkrieg als Medienkrieg in den Fokus, in dem die Kriegspropaganda in bis dahin nicht gekanntem Umfang professionalisiert und institutionalisiert und die Kamera zur Waffe erklärt wurde. Kriegsfotografen und im Zweiten Weltkrieg selten auch -fotografinnen schaffen Heldinnen und Helden durch ihre Fotos, und sie werden selbst zu Helden, wenn sie im Dienste eines propagandistischen Auftrags ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen scheinen. Die Arbeit untersucht, wie historische Akteure, darunter die Fotografen selbst, in Bildern heroisiert, welche Kontexte welche heroischen Figurationen besonders prägen und welche Erwartungen und Wünsche damit in Zusammenhang gebracht werden. Grundlegend werden soziopolitische und mediale Produktions- und Publikationsbedingungen als Voraussetzungen für diese Heldenbilder berücksichtigt. Was trägt zur Bedeutungskonstruktion heroisierender Fotografien bei? Welcher Zusammenhang von Gewalt und Heldentum zeigt sich in der Praxis des Fotografierens im Krieg? Steht die Kamera als Attribut der Fotografen für individuelle agency? Oder steht sie im Dienst der Logiken von Technik, Herrschaft, Militär und Politik? Welche Konnotationen von Gender finden sich in Bezug auf das Heroische – in den Fotos, aber auch in der heldenhaften Selbstinszenierung von Fotografen? Für die deutsche Kriegspropaganda stellt sich in gesondertem Maße die Frage, ob in publizierten Fotografien repräsentierte Helden in spezifischer Weise sinnstiftend in Zeiten eines erodierenden gesellschaftlichen Systems wirken. Und nicht zuletzt: Welchen Beitrag liefert das Medium Fotografie zum Heldenkult des Nationalsozialismus?

Die visuelle Diskursanalyse verbindet eine Auswertung von Fotomotiven des Heroischen im intermedialen Kontext von Printmedien wie Illustrierten, Fotobüchern und Fachzeitschriften mit einer Untersuchung der operativen Voraussetzungen ihrer Herstellung und Distribution unter Kriegsbedingungen. Ausgehend von ausgewählten Ereignissen und Kriegslagen wird nach Kontinuitäten und Transformationen der Bildsprachen des Heroischen aus dem Ersten Weltkrieg, der Zwischenkriegszeit sowie im Verlauf des Zweiten Weltkriegs selbst gefragt. Um die Spezifika von fotografischen Heroisierungsmustern in diktatorischen und demokratischen Gesellschaften genauer bestimmen zu können, wird die illustrierte Kriegsberichterstattung Deutschlands und Großbritanniens untersucht, zweier Länder, die – nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs – mit ihrer (Bild-)Propaganda explizit auch im Zweiten Weltkrieg aufeinander Bezug nahmen.

 

Akademischer Lebenslauf

bis Ende 2014 Studium der Geschichte, Romanistik und Germanistik in Freiburg
2010 - 2014 wissenschaftliche Hilfstätigkeiten am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Prof. Dr. Ulrich Herbert, unter anderem als wissenschaftliche Hilfskraft und Lehrassistentin mit fotografiegeschichtlichem
    
Schwerpunkt bei Prof. Dr. Cornelia Brink, wissenschaftliche Hilfskraft und Tutorin für das Masterseminar mit Schwerpunkt auf der Geschichte der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden bei Prof. Dr. Ulrich Herbert;
2013 Zulassungsarbeit für das 1. Staatsexamen („Kameraperspektiven. Eine Kontroverse um vier Fotografien, aufgenommen von Häftlingen des Sonderkommandos aus Auschwitz-Birkenau im August 1944“)
2015/2016 Vorbereitungsdienst für das Lehramt am Gymnasium, Wentzinger-Gymnasium, Freiburg
2015/2016 wissenschaftliche Hilfskraft am Sonderforschungsbereich 948 „Helden – Heroisierungen – Heroismen
2015 Dokumentationsarbeit im Rahmen des 2. Staatsexamen über eine Unterrichtseinheit zum historischen Kontext von Gewaltdarstellungen in Bildern von der Antike bis zur Frühen Neuzeit im Geschichtsunterricht der Oberstufe/Gymnasium
seit 2016 Doktorandin am Sonderforschungsbereich 948 "Helden - Heroisierungen - Heroismen" an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Mitarbeiterin im Teilprojekt D10

 
Publikationen

  • Fortschreitende Zeit und anhaltende Erinnerung. Siegfried Kracauers vorletzter Dialog mit Walter Benjamin, in: Kommune. Forum für Politik, Ökonomie und Kultur 28.4 (2010), S. 79-87.

 

Anmeldung
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