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Jennifer Trauschke


Jennifer Trauschke  

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Teilprojekt D4

Kontakt

Hebelstr. 25, Raum 03 004
79104 Freiburg
Tel.: 0761 / 203-54099

jennifer.trauschke@kunstgeschichte.uni-freiburg.de


Dissertationsprojekt "Staunen. Wundern. (Er)Schrecken – Über die Strahlkraft des Künstlers "

In den Künstlerviten, die uns seit der Renaissance in großer Vielzahl erhalten sind, tauchen wiederholt charakteristische Topoi – zumeist in Form von festen Formulierungen oder nur geringfügig variierend – auf, in denen Künstler bis hin zur höchsten Anerkennung zu einem divino artista heroisiert werden. Ausgangspunkt der Untersuchung bildet die Annahme, dass, sobald sich der Künstler in die Phase der Überlieferung begibt, mit ihm und seinem Werk bestimmte Vorstellungen verbunden werden, die über die Zeiten hinweg gelten und nie vollständig ihre Wirkkraft verlieren. Das Projekt verortet sich hierdurch in einen Fragenkomplex von Künstlerheroisierungen und untersucht Vitentexte mit dem Ziel, den inszenierten Status von Künstlern näher zu fassen. Innerhalb dieser narratologischen Konstrukte gilt es die Prozesse von Selbstheroisierung und Charismatisierung, die durch die Zuschreibungen von spezifischen kunsttheoretischen Begriffen erfolgen, nachzuzeichnen.

Primäre Textquellen bilden die Viten der Künstler, u.a. von Autoren wie Giorgio Vasari, Giovanni Pietro Bellori, Ascanio Condivi, Benvenuto Cellini oder Pietro Aretino. Ausgehend von der von Ernst Kurz und Otto Kris innerhalb ihres Bandes »Die Legende vom Künstler« (1934) formulierten These, dass die Künstleranekdote als ein „Stück Geheimbiographie des Helden“ anzusehen sei, werden auch Künstleranekdoten in die Untersuchung mit einbezogen, bei deren Analyse festgestellt werden soll, welche Formen und Funktionen der Fremd- und Selbstheroisierung sich mithilfe der kunsttheoretischen Schlüsselbegriffe belegen lassen. So gilt es zu klären, inwieweit Vitentexte über ein reines Faktenwissen hinausgehen und mit welchen literarischen Strategien eine Heroisierung des Künstlers erfolgt.

Im Hinblick auf die besondere Ausstrahlung des Künstlers und seine charismatische Wirkung soll zunächst geklärt werden, mit welchen (kunstliterarischen) Begriffen Künstler und ihre Werke in der frühen Neuzeit ausgezeichnet wurden. Das Staunen bildet dabei den Ausgangspunkt für die weitergehenden Textanalysen, da sich innerhalb dieser Reaktion des Betrachters – so scheint es – vor allem exzeptionelle Künstler und Werke offenbaren. Durch die Zuschreibung spezifischer Eigenschaften wird dem Künstler seit dem 16. Jahrhundert von seinen Biographen eine besondere Ausstrahlung verliehen, dem dabei selbst eine deutlich heroisierende Funktion zukommt. Zu untersuchen ist daher auch die Rolle des Kunstliteraten und auf welche Weise sich die Übertragung der zugeschriebenen Charakterisierungen vom Künstler auf das Werk und umgekehrt vollziehen.

In meinen Forschungen steht die ‚Strahlkraft‘ von exzeptionellen Künstlerfiguren im Zentrum; sie ist – vor allem über den Begriff der grazia (Anmut, Gnade) – eng mit dem Begriff des Charismas (Gnadengabe; besondere Fähigkeit) verbunden. Beschrieben wird diese besondere Ausstrahlung vor allem in den »Vite de’ più eccellenti pittori, scultori et architettori« (1550/1568) des italienischen Künstlers und Kunsttheoretikers Giorgio Vasari, der dadurch seine spezifischen ‚Künstlerhelden‘ innerhalb der Vite konturiert und konstruiert. Hierfür ist es notwendig Begriffe wie grazia (Anmut), maraviglia (Wunder), stupore (Staunen), capriccio (Einfall) und terribilità (‚Gewalt‘/Energie/ Schrecklichkeit) in ihrer Verwendung anhand von ausgewählten Beispielen zu analysieren: All jene Begriffe tauchen im Zusammenhang mit der Beschreibung herausragender Künstlerpersönlichkeiten auf und bedürfen einer genaueren Betrachtung. Gefragt werden soll nach den narrativen Mechanismen und der Konstruktion von Künstlerheroisierungen. Von besonderem Interesse sind in diesem Zusammenhang mögliche Entwicklungen und Transformationen der kunstliterarischen Schlüsselbegriffe über Zeiten- und Ländergrenzen hinaus und in welcher Form sie damit einer Kanonisierung der Kunstgeschichte dienen.

 

 

Akademischer Lebenslauf

seit Juli 2016 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am SFB 948 Helden – Heroisierungen – Heroismen (Teilprojekt D4 „Grazia und Terribilità: Charismatisierungen des Künstlers als Phänomen des Heroischen in der frühen Neuzeit“)
2016 Archivkurs an der Bibliotheca Hertziana, Max-Planck-Institut, Rom (Leitung: Dr. Lothar Sickel)
seit 2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstgeschichtliches Institut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Lehrstuhl für Frühe Neuzeit, Prof. Dr. Anna Schreurs-Morét)
2013 - 2015 Wissenschaftliches Volontariat im Kunstverein Freiburg e.V.
2011 - 2013 Studium der Kunstgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Master of Arts)
2011 Kuratorische Assistentin in Genua, Italien (Erasmus-Placement
2010 Auslandssemester am University College Cork, Irland (Erasmus)



 
2007 - 2011 Studium der Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften (Nebenfach: Rechtswissenschaften) an der Universität Konstanz (Bachelor of Arts)

 

Tagungen und Workshops

  • Interdisciplinary and International Summer School on the topics “Light, Frontiers, Time”, an der Nagoya University, Japan, 30.08.-05.09.2017
  • »anmutig, göttlich, heroisch. Das Leben des Michelangelo«. Vortrag zum Interdisziplinärer Workshop: Die Lesbarkeit von Helden. Fragen zur Existenz einer ‚Helden-Semiotik‘ an der Universität Tübingen, 04.-05.08.2017
  • »Vom Staunen zum (Er)Schrecken – maraviglia und terribilità«. Vortrag zum Workshop „Neue Tendenzen der Italienforschung zu Mittelalter und Renaissance“ am Kunsthistorischen Institut in Florenz, 7.-9.11.2016
  • »stupenda maraviglia« – Staunen und Schrecken in Michelangelos »Das Jüngste Gericht«. Vortrag zum Interdisziplinären Workshop zum Staunen in Wissenschaft und Kunst: "Once you lose that sense of wonder..." in Leifers/Bozen, 1.-4.09.2016
  • Workshop Fokus Tizian, Konzeption und Durchführung einer wissenschaftlichen Tagung zur aktuellen Forschungsdiskussion an der Universität Freiburg mit Beiträgen von Prof. Dr. Daniela Bohde, PD Dr. Martin Gaier und Prof. Dr. Wilhelm Schlink, 13.07.2012


Publikationen

  • Art. terribilità, in: compendium heroicum, Online-Kompendium des SFB 948 „Helden – Heroisierungen – Heroismen“, Freiburg 2017 (im Erscheinen)
  • Christiane Hansen, Kristina Sperlich, Jennifer Trauschke (Hrsg.), helden – heroes – héros. E-Journal zu Kulturen des Heroischen, HeldInnen und Katastrophen Katastrophen – Heroes and Catastrophes, Bd. 5.1 (2017).
  • (mit Christiane Hansen und Kristina Sperlich) Editorial, helden – heroes – héros. E-Journal zu Kulturen des Heroischen, HeldInnen und Katastrophen – Heroes and Catastrophes, Bd. 5.1 (2017), 5-9.
  • Georg Baselitz. Die Helden: Ausstellung im Städel Museum, Frankfurt am Main, 30. Juni bis 23. Oktober 2016, Ausstellungsrezension, in: helden. heroes. héros. E-Journal zu Kulturen des Heroischen, Bd. 4.2 (2016), S. 59-60.
  • Art. modestia, in: Wiki zu den Schlüsselbegriffen der Kunstliteratur, Online-Edition des Kunsthistorischen Instituts der Universität Freiburg. https://wiki.uni-freiburg.de/ida-kunstlit/ (2011).
Anmeldung
Der interne Bereich finden Sie nun auf der Teamplattform des SFB 948. Hinweise zum Login und zur Bedienung der Teamplattform finden Sie in diesem Dokument.