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Teilprojekt D3


Episches Heldentum in der frühen Neuzeit: Heroisierungen Kaiser Maximilians I. im lateinischen Epos

 

Prof. Dr. Stefan Tilg
Dr. Anna Novokhatko
Dennis Pulina

Seminar für Griechische und Lateinische Philologie


Was in einer Gesellschaft als „heroisch“ gilt, wurde in der europäischen Literatur von Homer bis in die Frühe Neuzeit maßgeblich im (auch als carmen heroicum bezeichneten) Epos verhandelt. Das vorliegende Teilprojekt verfolgt am Beispiel der bedeutenden Epik rund um Kaiser Maximilian I. (1459–1519) die blühende, aber in der bisherigen Forschung vernachlässigte Tradition des lateinischen Epos der Frühen Neuzeit.

Das gewählte Fallbeispiel ist aus mehreren Gründen besonders vielversprechend: Maximilian ist nicht nur eine herausragende Figur der europäischen Geschichte, sondern auch Knotenpunkt eines größeren Heldendiskurses seiner Zeit – man denke z.B. an seine Sammlung mittelhochdeutscher Epik im Ambraser Heldenbuch oder an seine Selbstinszenierung als ritterlicher Held im Theuerdank. Teil dieses größeren Heldendiskurses ist auch eine Reihe lateinischer Epen aus seinem höfischen Umfeld: R. Sbrulio z.B. adaptierte den Theuerdank in lateinischen Hexametern, G. S. Emiliano „Cimbriacus“ erzählte in seinen Encomiastica von Maximilians Jugend und früher Herrschaft; R. Bartolini in seiner Austrias von Maximilians Rolle im Landshuter Erbfolgekrieg. Dazu kommen weitere epische Texte contra Maximilian von ihm feindlich gesinnten Parteien außerhalb seines Hofes, z.B. die bis heute als Schweizer Nationalepos apostrophierte Raeteis von S. Lemnius oder eine Reihe französischer Kleinepen. Einige der hier behandelten Texte wurden für die spätere Epik nördlich der Alpen vorbildlich; Maximilian konnte auf diese Weise als epischer Modellheld rezipiert werden.

Das behandelte Korpus wird unter mehreren Gesichtspunkten untersucht: als Element der epischen Tradition seit der Antike, im Kontext eines zeitgenössischen politisch-literarischen Propagandakriegs sowie als Muster der Heroisierung (und Dämonisierung) eines Fürsten. Dennis Pulina wird in seinem Dissertationsprojekt eine Monographie verfassen, die den epischen Diskurs um Maximilian nachzeichnet, ihn vor dem Hintergrund verwandter Heldenideale (wie jener der Ritterbücher) und zeitgenössischer politischer Ideologien kontextualisiert und die Konstruktion von Heldentum durch epische Erzählstrategien herausarbeitet. Über dieses Kernthema hinaus werden sich kleinere Beiträge mit der späteren Rezeption der Maximiliansepik (etwa in einer Reihe weiterer Austrias-Epen) beschäftigen. Außerdem wird sich eine Tagung der allgemeinen Heroisierung Maximilians in der Literatur und Kunst seiner Zeit widmen.

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