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Teilprojekt D2


Ritter, Herrscher, Helden. Heroische Deutungsmodelle kriegführender Eliten im europäischen Hochmittelalter

 

Prof. Dr. Jürgen Dendorfer
Prof. Dr. Birgit Studt
Dr. Steffen Krieb
Dr. Heinz Krieg
Thomas Nitschke
Thilo Treß

Historisches Seminar


 Das Teilprojekt fragt nach alternativen Zuschreibungsmodellen des Heroischen jenseits eingeführter Dichotomien, die zwischen Heiligen und Rittern oder kirchlichen und laienadeligen bzw. kommunalen Prägungen kriegführender Eliten aufgespannt worden sind. Es nimmt dafür mit dem 11. und 12. Jahrhundert eine vieldiskutierte Achsenzeit für die Ausbildung des Rittertums bzw. der ritterlich-höfischen Kultur in den Blick. Dass kriegerische Heldentaten und heroische Krieger, an ihrer Spitze kriegführende Fürsten und Könige, in diesem Zeitraum in bisher ungekanntem Ausmaß entgegentreten, ist schon vielfach konstatiert worden. Weniger beachtet wurde dagegen, dass diese Heroisierungen in einem ungeklärten Spannungsverhältnis zu einer sich verändernden Welt standen, in der soziale Beziehungen verrechtlicht und die Kriegsführung ökonomisiert und technisiert wurde. Das Projekt setzt deshalb die Heroisierung-, aber auch die Deheroisierung von Kriegern in Bezug zu den Herausforderungen, welche die sozialen, ökonomischen und rechtlichen Dynamiken des europäischen Hochmittelalters sowohl für die heroische Einzeltat als auch für tradierte Heldenmodelle bedeuteten.

Angesichts der differenzierten Forschungslage zu den neuen Herausforderungen für die hochmittelalterlichen Gesellschaften liegt es auf der Hand, dass das Ritterideal nicht ausreicht, um Heroisierungsprozesse in der lateinischsprachigen Chronistik und Epik des 11. bis 13. Jahrhunderts zu erfassen. Das Teilprojekt widmet sich daher drei maßgeblichen Phänomenen:

  1. die Darstellung von Gewalt, welche, obwohl gleichsam primäres „Handwerk“ der kriegführenden Eliten, in der bisherigen Forschung durch den idealisierten Blick auf den „Ritter“ tendenziell marginalisiert worden ist. Das Augenmerk richtet sich demgegenüber auf heroische Deutungen der Gewaltausübung als gegenläufigen Prozess zur Rationalisierung der Kriegführung.
  2. die Präsenz und Wiederaneignung alternativer antiker Heldenmodelle im Hochmittelalter, die sich etwa in der Darstellung von Krieger- und Herrscherfiguren nach dem Vorbild antiker Heroen wie Achilles oder Aeneas zeigt.
  3. die Verhandlung verschiedener heroischer Deutungsmodelle in Räumen vermehrten Kulturkontakts; so im hochmittelalterlichen Italien, wo sich drei unterschiedliche Erfahrungsräume begegneten: das Reich nördlich der Alpen mit dem kommunalen Oberitalien und den hybriden Gesellschaften des lateinisch, byzantinisch und arabisch geprägten Unteritalien und Sizilien.

Spezifischen Gegenstand der Untersuchung bilden hierbei einerseits die normannische Eroberung und Herrschaftsbildung in Süditalien und Sizilien im 11./12. Jahrhundert und andererseits die Konflikte des römisch-deutschen Kaisers Friedrich Barbarossa mit den norditalienischen Kommunen im 12. Jahrhundert.

Dabei geht es zum einen um Heroisierungsprozesse, die auf die Legitimation und Integration neuer Herrschaftseliten zielten, zum anderen um diskursive Verhandlungen von gewalttätigen Formen der Herrschaftsausübung und Kriegführung, und zwar aus den konkurrierenden Perspektiven der Gewaltakteure sowie der betroffenen Gesellschaften und ihrer Eliten, aber auch von Teilnehmern der historiographischen Kommunikation, die diese Prozesse von außen beobachteten, bewerteten und ggf. auch steuerten. Dabei stellt sich die Frage, ob der Rückgriff auf distinkte Muster aus dem Reservoir von klassischen Heldenmodellen als Antwort auf aktuelle Herausforderungen kriegführender Eliten während dieser europäischen Achsenzeit zu verstehen ist, und wie die zu beobachtenden gegenläufigen Tendenzen der Transformation des wilden Kriegers zu einer dämonisierten Herrscherfigur einerseits und einer brutalisierenden Heroisierung von Gewaltakteuren andererseits in einem solchen Erklärungsmodell zu verorten sind.

Das Dissertationsprojekt A widmet sich den Heroisierungsprozessen und literarischen Mustern, mit denen in der süditalienischen Chronistik die Darstellung normannischer Eroberer und von deren Aufstieg zu Herrschern vorgenommen wird, und nimmt dabei insbesondere den Aushandlungscharakter dieser Texte vor dem komplexen multikulturellen Hintergrund des Südens in den Blick.

Das Dissertationsprojekt B thematisiert Heroisierungskonzepte im Kontext der Italienzüge und des Kreuzzugs Friedrich Barbarossas sowie der staufischen Eroberung Siziliens unter Heinrich VI., wobei auch bisher wenig rezipierte Quellen wie epische Texte intensiver untersucht und vornehmlich mit zeitgenössischen literarischen Werken ähnlicher Thematik verglichen werden.

 

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