Zurück zur Startseite

Teilprojekt D15


Das Heroische in britischen Fernsehserien des 21. Jahrhunderts: Diskurse und ästhetische Strategien in einem populären Medium

 

Dr. Nicole Falkenhayner
Prof. Dr. Barbara Korte
Maria-Xenia Hardt

Englisches Seminar


Vorstellungen über das Heroische werden in erheblichem Maß durch populäre Darstellungen geprägt und verhandelt. Das Teilprojekt, das sich als Beitrag zu den British Studies versteht, verfolgt diese These für das britische Fernsehen und legt dabei einen Schwerpunkt im 21. Jahrhundert, dessen Bedrohungsszenarien und intensivierte Sicherheitsbedürfnisse seit 9/11 ‚postheroische‘ Orientierungen des späten 20. Jahrhunderts teilweise auszuhebeln scheinen. Ziel ist es, über das Massenmedium Fernsehen die Heterogenität aktueller Figurationen und Semantiken von Heldentum in der britischen Gesellschaft aufzuschließen und nachzuweisen, wie bei Heroisierungen in diesem Medium gesellschaftliche Diskurse und spezifische medial-ästhetische Strategien ineinander greifen. Gerade fiktionale Fernsehserien bieten hierfür ertragreiches Material: Sie bringen heroische Figuren, Narrative und Konzepte nicht nur mit multiplen Zeichensystemen und Codes zur Darstellung, sondern v.a. auch kontinuierlich und prominent. Serielles Fernsehen kann heroisch konzipierte Figuren über längere Zeiträume entwickeln und den Zuschauern vertraut machen, sie in ihrem Handeln und ihren ethischen Dispositionen aber auch ambivalent und kritisch ausleuchten.

Das Teilprojekt hat zwei Unterprojekte: a) Anhand eines Korpus populärer britischer Fernsehserien des 21. Jahrhunderts soll die Heterogenität aktueller Figurationen und Semantiken von Heldentum in der britischen Gesellschaft aufgeschlossen und analysiert werden. b) Die Dissertation untersucht am Beispiel der Serie Doctor Who die Veränderung solcher Figurationen seit den 1960er Jahren. Der Akzent liegt jeweils auf der Interpretation der multimodalen Serienepisoden selbst, die in Hinblick auf kulturell-diskursive und formalästhetische Aspekte der Heroisierung befragt werden.

Neben der Diskussion der Forschungsergebnisse in nationalen und internationalen Kontexten sollen im Rahmen des Teilprojekts zwei Monographien entstehen: Die erste dieser Monographien (Korte / Falkenhayner) untersucht eine Bandbreite fiktionaler Serien, die zwischen 2002 und 2015 produziert wurden. In diesem Zeitraum ist in Großbritannien eine neue Intensität und Qualität der Auseinandersetzung mit Heldentum zu beobachten, die mit den Themen von islamistischem Terror und Krieg ebenso verflochten ist wie mit neuen Konfliktpotenzialen in der multiethnischen Gesellschaft und aktuellen Debatten über britische Identität. Die zweite Monographie (Hardt) ist ein Dissertationsvorhaben, das komplementär zur breit angelegten Gegenwartsdiagnose in einem Längsschnitt von den 1960er Jahren bis heute die Serie Doctor Who untersucht und ihre heroischen Figurationen auf den gesellschaftlichen und kulturellen Kontext in Großbritannien bezieht.

 

« Erste Seite
Seite « 1/1 »
Anmeldung
"Das Heroische. — Das Heroische besteht darin, dass man Großes tut (oder etwas in großer Weise nicht tut), ohne sich im Wettkampfe mit anderen, vor anderen zu fühlen. Der Heros trägt die Einöde und den heiligen unbetretbaren Grenzbezirk immer mit sich, wohin er auch gehe."
Friedrich Nietzsche (Menschliches, Allzumenschliches II, Aphorismus 337)