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Teilprojekt D12


Soziologische Zeitdiagnosen zwischen Postheroismus und neuen Figuren des Außerordentlichen

 

Prof. Dr. Ulrich Bröckling
Dr. Christian Dries
Dr. Tobias Schlechtriemen

Institut für Soziologie


Das Teilprojekt untersucht soziologische Zeitdiagnosen aus der Zeit zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Gegenwart im Hinblick auf das Spannungsfeld von postheroischen Orientierungen und heroischen Subjektkonzepten. Besonderes Augenmerk richtet sich dabei auf die emblematischen Figuren, die in den Gegenwartsdiagnosen aufgerufen werden. In heroisch aufgeladenen Leitbildern wie dem ‚Unternehmer‘ oder dem ‚Arbeiter‘, in deheroisierten bzw. a-heroischen Zeitgestalten wie dem ‚Angestellten‘ oder dem ‚Organization Man‘, aber auch in Kollektivsubjekten wie der ‚Lonely Crowd‘ oder der ‚skeptischen Generation‘ sind elementare gesellschaftliche Erfahrungen und Erwartungen figurativ verdichtet. Die historisch vergleichende Untersuchung der Sozialfiguren soziologischer Zeitdiagnosen gibt damit Aufschluss über die widersprüchlichen Problematisierungen und Neubesetzungen des Heroischen im 20. und 21. Jh. Verhandelt wird darüber stets auch die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft, sowie gesellschaftlich relevante Werte und Normvorstellungen.

In der ersten Teilstudie werden die prägenden Sozialfiguren gesichtet, die in soziologischen Gegenwartsdiagnosen auftauchen. Die zentralen Fragen sind: Welche Eigenschaften zeichnen das Genre ‚soziologische Gegenwartsdiagnose‘ aus? Welche Sozialfiguren tauchen zu welcher Zeit auf und welche gesellschaftlichen Erfahrungen artikulieren sie? Sind diese Figuren geschlechtlich markiert und welche Geschlechterrollen verkörpern sie? Werden sie heroisiert oder tragen sie a-heroische Züge und wie beschreiben sie das Verhältnis der oder des Einzelnen zum Kollektiv? Ergänzend wird danach gefragt, ob sich im historischen Vergleich Konjunkturen von Heroisierungen oder Deheroisierungen ausmachen lassen. Haben einzelne Sozialfiguren historische Vorgänger, auf die sie sich beziehen oder auch Gegenfiguren, von denen sie sich abgrenzen? Welche Ähnlichkeiten und Unterschiede gibt es im Vergleich etwa deutscher und französischer oder auch amerikanischer Gegenwartsdiagnosen der gleichen Zeit? Welche rhetorischen und narrativen Elemente finden sich in den Zeitdiagnosen? Auf welche Weise wird über zeitdiagnostische Typisierungen und personale Figurationen soziologische Evidenz generiert?

Einen eigenen Diskursstrang markieren die zunächst auf Fragen militärischer Kampfbereitschaft und des Managements bezogenen, dann zu Zeitdiagnosen verallgemeinerten Debatten um ‚postheroische Gesellschaften‘. In einer Teilstudie des geplanten Teilprojekts sollen die unterschiedlichen Postheroismus-Diagnosen seit den 1980er Jahren diskursanalytisch rekonstruiert, ihr gemeinsamer Problemhorizont herausgearbeitet und mit Gegenwartsdeutungen konfrontiert werden, die auf neue Konjunkturen und Ausprägungen des Heroischen abheben.

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"Das Heroische. — Das Heroische besteht darin, dass man Großes tut (oder etwas in großer Weise nicht tut), ohne sich im Wettkampfe mit anderen, vor anderen zu fühlen. Der Heros trägt die Einöde und den heiligen unbetretbaren Grenzbezirk immer mit sich, wohin er auch gehe."
Friedrich Nietzsche (Menschliches, Allzumenschliches II, Aphorismus 337)