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Teilprojekt D11


Junge Helden des Postheroismus. Verhandlungen des Heroischen in der skandinavischen Jugendliteratur nach 1945

 

Prof. Dr. Joachim Grage
Sotirios Kimon Mouzakis

Skandinavisches Seminar


In den kontinentalskandinavischen Ländern haben sich in der zweiten Hälfte des 20. Jhs. Wohlfahrtsstaaten etabliert, die darauf abzielen, Extremsituationen durch Vorsorge zu verhindern und das exzeptionelle Handeln einzelner durch die Solidarität der Gemeinschaft überflüssig zu machen. Dennoch sind in den Literaturen und Kulturen der postheroischen Gesellschaften Skandinaviens heroische Figuren und heroische Handlungsmuster allgegenwärtig. Insbesondere in der realistischen skandinavischen Jugendliteratur, die sich – wie auch die Kinderliteratur nach 1945 – von moralischer Didaxe und geschlechtsspezifischer Rollenvermittlung gelöst hat und einen autonomen Status beansprucht, kommt die Spannung zwischen wohlfahrtsstaatlicher Realität und dem Heroischen, zwischen sozialer Grenzsetzung und individueller Überschreitung zum Tragen. So wird darin gezeigt, wie Heldentum von der Gesellschaft unterbunden und sanktioniert wird (z.B. Peter Pohl, Janne, min vän, 1985), während in anderen Texten die wohlfahrtsstaatliche Fürsorge zur Bedrohung der Protagonisten wird, von der sie sich nur durch heroisches Handeln befreien können (z.B. Mikael Engström, Isdraken, 2007). Die Texte spiegeln auch gesellschaftliche Veränderungen wider, wie z.B. die kulturelle Hybridisierung durch Migration, die Veränderung von Geschlechterrollen, die zunehmende Akzeptanz von Homosexualität oder die Entsolidarisierung der Gesellschaft im Zuge der Krise des Wohlfahrtsstaates. Zugleich nehmen sie teil an diesen Veränderungen, indem sie diese erzählerisch gestalten, sich in den gesellschaftlichen Diskurs darüber einschreiben und über die Thematisierung des Heroischen die Möglichkeiten und Grenzen individuellen Handelns diskutieren.

Das Dissertationsprojekt untersucht den Zeitraum von 1985 bis zur Gegenwart. Ausgehend von der Krise des Wohlfahrtsstaates sollen die Herausforderungen, die die sich wandelnde Gesellschaft mit sich führt, anhand einschlägiger Jugendtexte untersucht werden.

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"Das Heroische. — Das Heroische besteht darin, dass man Großes tut (oder etwas in großer Weise nicht tut), ohne sich im Wettkampfe mit anderen, vor anderen zu fühlen. Der Heros trägt die Einöde und den heiligen unbetretbaren Grenzbezirk immer mit sich, wohin er auch gehe."
Friedrich Nietzsche (Menschliches, Allzumenschliches II, Aphorismus 337)