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Teilprojekt D10


Bilderkrieger und Bilder des Krieges. Kriegsfotografen als Helden und Heldenmacher im Zweiten Weltkrieg

 

Prof. Dr. Cornelia Brink
Vera Marstaller

Historisches Seminar


 Seit den 1930er Jahren werden Kriegsfotografen – selten auch Fotografinnen – als neues Modell des heroischen Kämpfers inszeniert. Unter Kriegsbedingungen kann der Akt des Fotografierens zur Heldentat, der Fotograf zum Helden werden, der immer wieder Grenzen überschreitet: Der Kriegsfotograf agiert im Spannungsfeld von Berichten und Kämpfen, (vermeintlich) bereit, sein Leben für ein „gutes“ Foto aufs Spiel zu setzen. Nähe und Distanz der Fotografen zu den kämpfenden Truppen sind ständig neu auszuhandeln, Distanzen zwischen Front und Heimat zu überwinden. In Illustrierten und Fotobänden liefern Kriegsfotografen einem breiten Publikum Bilder von Helden und Heldentaten und können so auch zu Heldenmachern werden, die Vorstellungen heroischer Haltungen und Handlungen vermitteln.
Das Teilprojekt untersucht mit dem Kriegsfotografen im Zweiten Weltkrieg einen Typus des Heroischen, der im Schnittfeld von Politik und Medien, Militär und omnipräsenter, organisierter Gewalt angesiedelt ist. Im Zentrum des Dissertationsvorhabens stehen die visuellen Heldendarstellungen von Fotografen der deutschen Propagandakompanien. Wenn Helden stets Helden für andere sind, sie besonders gefragt sind, wenn Ordnungs- und Wertsysteme erodieren und Antisemitismus und Rassismus das Töten der zu »Volksfeinden« Erklärten legitimieren, stellt sich über die Analyse der Fotos und die Rekonstruktion von Voraussetzungen ihrer Herstellung hinaus die Frage nach den Bedürfnissen hinter solchen Heroisierungen. Welches Interesse, welche Wünsche versprechen die Kriegsfotografen und ihre Heldenbilder für diejenigen zu erfüllen, die die Fotos anschauen, sie in Bildlegenden und Kommentaren erläutern und sie verbreiten? Welche spezifischen Zeiterfahrungen werden erkennbar, wenn man die fotografischen Heldenbilder als Effekt von Projektionen und Identifikationen versteht?

Die Monografie der Teilprojektleiterin erweitert den Untersuchungszeitraum zeitlich bis in die 1970er Jahre. Die diachrone Perspektive dient der analytischen Beschreibung einer Transformation vom Soldatenfotografen zum fotografierenden Aufklärer im Dienste von Wahrheit und Humanität. Inwiefern stellt diese Transformation einen Bruch mit der Vergangenheit dar, inwiefern zeigen sich Kontinuitäten? Wie verorten sich deutsche Kriegsfotografen selbst nach 1945 im Spannungsfeld zwischen (kritischem) Journalismus und Soldatentum? Wie werden sie von anderen gesehen? Und auf ihre Rolle als Heldenmacher bezogen: Wie werden ältere Fotos, die vor Kriegsende entstanden, nach 1945 neu kontextualisiert? Welche neuen Bildmotive, die auf Helden und heldenhafte Taten verweisen, finden sich in Fotoberichten über Kriege, die nach 1945 geführt wurden?

Das Teilprojekt begreift Medialisierung als konstitutives Element von Heroisierungsprozessen. Von den 1930er bis in die frühen 1970er Jahre gilt die Fotografie als wichtigstes Bildmedium, in dem sich die Transformation von Krieg als gesellschaftlichem Handeln in Krieg als gesellschaftliche Vorstellung und eine Rückkoppelung der Vorstellungen auf das Handeln vollzieht. Ziel der Analyse ist es, vor diesem Hintergrund den Kriegsfotografen als Typus und Vermittler des Heldenhaften zu verstehen und die Spezifika von fotografischen Heroisierungsmustern in diktatorischen und demokratischen Gesellschaften genauer zu bestimmen. Dazu untersucht die Dissertation im synchronen Vergleich die illustrierte Kriegsberichterstattung Deutschlands und Großbritanniens. Auch mit der Weiterführung der Frage nach dem Kriegsfotografen als Held und Heldenmacher über 1945 in der Monografie der TP-Leiterin verspricht das Teilprojekt genaueren Aufschluss darüber, inwiefern es sich bei der heroisierenden PK-Fotografie um einen Sonderfall der Kriegsfotografie handelt, und inwiefern das nicht der Fall ist.

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