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Teilprojekt C2


Konkurrierende Modelle des Heroischen in England und Frankreich zwischen ca. 1580 und 1630 im Vergleich: 
Herrscher, Krieger, Märtyrer, Glaubenskämpfer
 

Andreas Schlüter

Historisches Seminar

Das Teilprojekt will für die Epoche zwischen ca. 1580 und 1630 im vergleichenden Blick auf Frankreich und England konkurrierenden Typen des Helden (respektive der Heldin) und unterschiedlichen Formen des Heroismus nachgehen: Im Zeichen der erbitterten Konfessionskonflikte, die in Westeuropa Ende des 16. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichten, standen sich wie selten zuvor gegensätzliche Konzepte und Ideen des Heroischen gegenüber. Das Teilprojekt wird daher in systematischer Perspektive das Neben- und Gegeneinander unterschiedlicher Typen des Helden und des Heroischen besonders im Hinblick auf ihren Leitbildcharakter für Herrscher und Eliten untersuchen. Zugleich wird nach einer möglichen Verinnerlichung des heroischen Habitus im frühen 17. Jahrhundert und einer Deheroisierung des Konfessionellen gefragt. Das Teilprojekt hat zwei Schwerpunkte: Zum einem soll es sich auf heroische Leitbilder im Kontext des Militärischen konzentrieren. Frankreich und England bilden auf den ersten Blick starke Gegensätze. Während in Frankreich nach dem Ende der Religionskriege sich die internen Auseinandersetzungen in bürgerkriegsartigen Konflikten und lokalen Fehden noch lange, zumindest aber bis Ende der 1620er Jahren fortsetzten, fehlte dem englischen Adel zwischen 1604 und 1625 die Möglichkeit, in Kriegen des eigenen Landes Erfahrungen zu sammeln. Vorbilder für eine eigene kriegerisch-heroische Selbststilisierung fand man am ehesten in der Vergangenheit und im Ausland. Zum anderen sollen in einer weiteren, über die Sozial- und Kulturgeschichte des Krieges hinausgreifenden Perspektive konkurrierende Modelle heroischen Verhaltens im Übergang vom 16. zum 17. Jahrhundert für England und Frankreich untersucht werden. Dabei werden sowohl die Selbstinszenierung bzw. Darstellung der Herrscher(inn)en als auch konkurrierende Vorstellungen des Heroischen wie die des Märtyrers einbezogen. Ein wichtiges Untersuchungsfeld wird aber auch die Verinnerlichung und Sublimierung konfessioneller Militanz bilden. Da Askese und demonstrative Frömmigkeit an die Stelle des Glaubenskampfes treten konnten, bildeten sich auch spezifisch weibliche Formen des konfessionellen Heroismus aus.

 

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"Das Heroische. — Das Heroische besteht darin, dass man Großes tut (oder etwas in großer Weise nicht tut), ohne sich im Wettkampfe mit anderen, vor anderen zu fühlen. Der Heros trägt die Einöde und den heiligen unbetretbaren Grenzbezirk immer mit sich, wohin er auch gehe."
Friedrich Nietzsche (Menschliches, Allzumenschliches II, Aphorismus 337)