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Teilprojekt A5


Der ‚éclat‘ des Helden –
Formen auratischer Repräsentation des Helden in Frankreich vom 17. bis zum
19. Jahrhundert
 

Jakob Willis

Romanisches Seminar

 

Das Teilprojekt beschäftigt sich mit einer im Begriff des ‚éclat‘ (,Glanz‘, Ausstrahlung[skraft]‘) konzeptualisierten Artikulationsform der Beschreibung des Helden in literarischen wie nicht-literarischen Texten Frankreichs vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, von der Tragödie auf der einen Seite, über Lyrik, Roman, Korrespondenzen, Memoiren, historiographische Texte bis zum Traktat und weiteren Textgattungen auf der anderen Seite. Der Begriff ‚éclat‘ schließt an den traditionellen Topos des Heldenglanzes an, beschreibt aber nicht nur die Wirkung des Helden auf die Gesellschaft bzw. seine Wahrnehmung durch die Gesellschaft. Er bezeichnet vielmehr eine wesentliche Qualität der Heldentat, deren Öffentlichkeit er sicherstellt, und ist damit konstitutiv für den Begriff des Heroischen selbst. Deshalb fungiert der Begriff ‚éclat‘ im Sinne einer für die Frühe Neuzeit insgesamt typischen Manifestationsform des Helden(tums) als Hyperonym für verwandte Konzepte (wie z. B. im 17. Jahrhundert für gloire, générosité, magnanimité). Die Wahrnehmung des Helden steht dabei grundsätzlich in einem Spannungsverhältnis zwischen der unmittelbaren Präsenz der Heldentat und der Notwendigkeit, sie ihrer gesellschaftlichen Wirksamkeit halber zu kommunizieren, d. h. sie zu semantisieren und zu medialisieren. Diesen Prozess von Heroisierung und Deheroisierung möchte das Teilprojekt im Sinne der Leitfragen des SFBs und im Rahmen des Projektbereichs A (Artikulationen) am Begriff ‚éclat‘ und seiner Verwendungsweisen untersuchen. Der Begriff éclat stellt in diesem Zusammenhang als performative Dimension der Repräsentation des Helden eine Vermittlungsfigur dar, über die Präsenzeffekte als Reaktualisierung der unmittelbaren Wirkung der Heldentat erzielt werden sollen. Der Begriff bezieht sich jedoch nicht nur affirmativ auf Erscheinungsform und Wirkungsweise der Heldenfigur, deren Ruhm die Gesellschaft überstrahlt, sondern bringt über weitere Bedeutungsmerkmale von ‚éclat‘ (‚Splitter‘, ‚Lärm‘) zugleich auch die im historischen Verlauf sichtbar werdende Ambivalenz der Heldenfigur auf den Begriff, die bis zur modernen Vorstellung individuellen (Fehl-)Verhaltens als Eklat und damit als gesellschaftlicher Skandal nachvollzogen werden soll. Der Begriff des éclat gerät dabei vor allem im Kontext der Französischen Revolution und im postrevolutionären Kontext zu einem Instrument der Reflexion heldenhaften Verhaltens und seiner historischen Veränderungen.

 

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"Das Heroische. — Das Heroische besteht darin, dass man Großes tut (oder etwas in großer Weise nicht tut), ohne sich im Wettkampfe mit anderen, vor anderen zu fühlen. Der Heros trägt die Einöde und den heiligen unbetretbaren Grenzbezirk immer mit sich, wohin er auch gehe."
Friedrich Nietzsche (Menschliches, Allzumenschliches II, Aphorismus 337)