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Irina Tibilova


irina tibilova  

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Teilprojekt D8

Kontakt

Hebelstraße 25, Raum 03 004
79104 Freiburg

Tel.: 0761 203-54099


Dissertationsprojekt "Heroisierung und Militarisierung von Arbeit in der Sowjetunion von den 1920er Jahren bis 1960"

Die Heroisierung von Arbeit erhielt in der Sowjetunion im Zusammenhang mit Stalins „Revolution von oben“ ab 1928 einen hohen Stellenwert und war mit einer auffälligen Militarisierung verbunden. Wenn bis dahin bei der Heroisierung von Einzelpersonen der Bürgerkriegsheld im Vordergrund stand, der sein Leben für die Sache der Bolschewiki geopfert hatte, so wurde ab 1928 mit dem Titel „Held der Arbeit“ (ab 1938: „Held der sozialistischen Arbeit“) ein neuer Heldentyp propagiert: der Arbeiter, der die Arbeit nicht als Gelderwerb, sondern als Kampf für den Aufbau des Sozialismus verstehe.

Für einen Helden der Arbeit war nicht mehr der Heldentod ausschlaggebend, sondern die Leistung, die er erfolgreich erbrachte. Er signalisierte Optimismus und Siegesgewissheit und wurde mit Vergünstigungen belohnt, die eine bessere Zukunft versprachen. Die Heldentat war nicht unerreichbar und man musste dafür nicht das eigene Leben opfern. Obwohl das Arbeitsheldentum mitunter in märchenhafte Geschichten verpackt war, sollte der Held ein im Alltag erreichbares persönliches Beispiel sein und potentiellen Nachahmern konkrete Handlungsanleitungen geben.

Gleichzeitig wurde die Heldentat jedoch diskursiv stark mit Elementen soldatischen Heldentums aufgeladen: Arbeit wurde zum „Kampf“, die Baustelle oder Fabrik zum „Schlachtfeld“, die Arbeitsleistung zum „Sieg“, jedes Hindernis oder Problem zum „Feind“, der Arbeiter zum „Soldaten“, der Ingenieur oder der Parteisekretär zum „Kommandeur“. Heldentum konnte individuell, aber auch kollektiv erbracht werden.

Die zu untersuchenden Aspekte und Fragen dieses Arbeitsheldentums sind vielfältig: Zunächst ist die Frage nach den Ursprüngen dieses Heldenkonzepts zu klären. In welchem Verhältnis stehen Initiativen „von oben“ und „von unten“, und inwieweit war das sowjetische Arbeitsheldentum die Antwort auf spezifische Bedürfnisse oder Teil eines transnationalen Phänomens? Welche Medien wurden wann eingesetzt, um die Heldengeschichten als beispiellose und bestmögliche Erfolge zu kommunizieren? Wie verhalten sich die Körperbilder, Genderrollen und Zuschreibungen von Eigenschaften dieses Heldentypus in den verschiedenen Ländern, und in welcher Beziehung stehen fiktionale und utopische Projektionen, etwa in Romanen und Spielfilmen, zum Alltag?

Weiter stellt sich etwa die Frage, wie das politische System es schaffte, Bauern, andere ethnische Gruppen oder Frauen in den neuen Arbeitsprozess einzugliedern und für die monotone Arbeit auf einer Baustelle oder in einer Fabrik einzusetzen. Die soziale Praxis ist dabei ebenso wichtig wie die soziokulturelle Reichweite des Heroischen im Hinblick auf die nichtrussischen Peripherien und die Integration des Imperiums. Es soll untersucht werden, wie die Heroisierung der Arbeit in den Alltag der Menschen und nichtrussische Peripherien eingepflanzt wurde und wie die Betroffenen damit umgingen. Zu klären ist auch, wie das Phänomen des Arbeitshelden die Zeit der Entstalinisierung und das Aufkommen eines neuen Heldentypus in Gestalt des Kosmoshelden (Jurij Gagarin) überdauerte.

 

 

Akademischer Lebenslauf

seit Juni 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin am SFB 948 „Helden, Heroisierungen, Heroismen“ Teilprojekt D8 „Heroisierung von Arbeit in China und Russland zwischen 1920 und 1960“, Dissertation zu „Heroisierung und Militarisierung von Arbeit in der Sowjetunion (1920er Jahre bis ca. 1960)“
2015-2016 Wissenschaftliche Hilfskraft am SFB 948 „Helden, Heroisierungen, Heroismen“ (Teilprojekt B6 „Nationalheld, Volksheld und Antiheld: Aleksandr Suvorov und Emel’jan Pugačev vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert“)
2005-2011 Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Neuere und Neueste Geschichte, Ostslavische Philologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. (Abschluss: M.A.)

 

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