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Alexander Schröder


Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Teilprojekt D8

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Hebelstraße 25, Raum 02 005
79104 Freiburg
Tel.: 0761-203 67607

alexander.schroeder@sfb948.uni-freiburg.de


Dissertationsprojekt "Arbeitsheld(inn)en in wechselnden Kontexten des chinesischen Sozialismus (späte 1920er Jahre bis ca. 1960)"

Das Dissertationsprojekt legt den Fokus auf die unterschiedlichen Konfigurationen der Heroisierung von Arbeit in wechselnden Kontexten der Geschichte Chinas. Eine deutliche Zäsur stellt dabei die Gründung der Volksrepublik China 1949 dar. Aber auch innerhalb der von Kriegen geprägten Phase vor 1949 und der Phase konsolidierter Staatlichkeit danach lassen sich Brüche feststellen. In Anpassung an neue Gegebenheiten schuf die kommunistische Führung neue Held(inn)entypen.

Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) übernahm seit ihrer Gründung 1921 zentrale ideologische und organisatorische Konzepte von den sowjetischen Kommunist(inn)en. Auch die Heroisierung von Arbeit durch die KPdSU beeinflusste die chinesische Schwesterpartei. Diese lernte u.a. von der sowjetischen „Stachanow-Bewegung“ der 1930er Jahre, um ähnliche Kampagnen in ihren Rückzugsgebieten zu schaffen. Die Agitation der KPCh, ihrer Massenorganisationen und der kommunistischen Gewerkschaften pries die Lebensgeschichten und Leistungen sogenannter „Arbeitsheld(inn)en“ aus allen Schichten und Branchen als mustergültig und bediente dadurch Zwecke wie den ökonomischen Aufbau, den Kampf gegen ausländische Mächte und die Legitimation der Herrschaft der KPCh. Neben die heroisierten Führungsikonen und Märtyrer(innen) der KPCh trat so der Typus des „Arbeitshelden“ (laodong yingxiong) bzw. „Arbeitsmodells“ (laodong mofan). Der Ursprung dieses neuen Held(inn)entyps kann bis in die 1920er Jahre und die Anfangszeit der Sowjetunion zurückverfolgt werden. Der Transfer dieses sowjetischen Heroismus und der Heroisierung von Arbeit nach China stellt einen ersten zu erforschenden Aspekt der Dissertation dar.

Einen zweiten Aspekt bildet die Weiterentwicklung von losen Produktionskampagnen zu einem eigenständigen chinesischen System von Arbeitsmodellen. Kommunistische Arbeitshelden wie Zhao Zhankui und Wu Manyou gaben ab 1942 ganzen Bewegungen ihren Namen, die flächendeckend ausgeweitet wurden. Während mittels Modell-Kongressen und -Tagungen die Agitation der KPCh einige Arbeitsmodelle zu landesweit bekannten Prototypen stilisierte, kamen auf lokaler und regionaler Ebene im Laufe der Zeit Hunderttausende in den Genuss des Modellstatus. Gemeinsam hatten sie vor allem, dass sie gegenüber der Masse der Bevölkerung heroisiert wurden. Doch auch unter den Arbeitsmodellen gab es große Differenzen. Unter dem Slogan der „demokratischen Diktatur des Volkes“ wurden etwa innerhalb der vier großen Klassen (Bauern- und Arbeiterschaft, Kleinbürgertum und nationale Bourgeoisie) ebenso Held(inn)entypen ausfindig gemacht wie auch in den verschiedensten ökonomischen Branchen und Gebieten. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen dieser Heroisierten variierten und wichen eventuell auch von der offiziellen Propaganda ab. Die Kommunisten entwickelten damit propagandistisch und organisatorisch ein differenziertes System von Held(inn)entypen, das auf immateriellen und materiellen Anreizen basierte. Dieses System schuf neue Interessen und Konflikte zwischen Bevölkerung, Heroisierten sowie Parteikadern und war den Konjunkturen des politisch wechselhaften Untersuchungszeitraums unterworfen. Diesen Wandel nachzuzeichnen ist das zweite Ziel der Dissertation.

Anders als bei bestehenden Forschungsansätzen, die sich auf den Propagandaaspekt fokussiert haben, soll vor allem die kaum beleuchtete sozialgeschichtliche und organisatorische Dimension beleuchtet werden. Somit werden die Ursprünge, Transfers und Weiterentwicklungen des Systems der Arbeitsheld(inn)en mit seinen beabsichtigten und tatsächlichen Folgen in verschiedenen Kontexten des Sozialismus erforscht und dargestellt.

Die Untersuchung stützt sich auf Archivmaterialien und eine Vielzahl publizierter Quellen aus der VR China. In ihrem systematischen Anspruch und den Bezügen zur Sowjetunion erweitert sie nicht nur die sehr fragmentarische Forschung des Systems der Arbeitshelden in China, sondern verspricht auch neue Erkenntnisse zum Charakter des chinesischen Sozialismus.

Akademischer Lebenslauf

seit 08.2016
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sonderforschungsbereich SFB 948 im Teilprojekt D8
seit 2014 Übersetzungsarbeiten
11.2011 - 01.2012 Forschungspraktikum am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln
02.2011 - 05.2011 Projektleitung im Referat für kritische Wissenschaften und Antidiskriminierung, AStA Universität zu Köln

 

Akademische Ausbildung

seit 08.2016
Dissertation zu Arbeitsheld(inn)en in wechselnden Kontexten des chinesischen Sozialismus zwischen den 1920er und 1960er Jahren
10.2006 - 09.2014 Magister Artium (Universität zu Köln)
Sinologie, Slavistik, Soziologie
09.2008 - 08.2009
Auslandsstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes
10.2008 - 09.2012
Studienstipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung

 

Publikationsliste

Artikel


Reviews

  • “The end of cheap labour? Industrial transformation and ‚social upgrading‘ in China. By Florian BUTOLLO“, in: International Labour Review, 2015, 154 (3), S. 413-415.


Übersetzungen


Vorträge

  • Zusammen mit Fang Hu: “Der linke Mythos um China”, 11.11.2009, Haus der Studierenden, Weimar.
  • Zusammen mit Sarah Nagel: “Ist China ein kapitalistischer Staat?”, 01.12.2012, im Rahmen des “Kapitalismus vs Demokratie”-Kongresses, Uni zu Köln.
  • “Menschenrechte und Menschenrechtsaktivismus in China”, 07.03.2014, Allerweltshaus Köln.

 

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