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Dr. Ann-Christin Bolay


Ann-Christin Bolay
Kontakt
Deutsches Seminar - Raum 3212
Kollegiengebäude III
Platz der Universität 3
79098 Freiburg
Tel.: 0761 203 3478

 

Wissenschaftlicher Lebenslauf

Geboren 1984 in Münster (Westfalen); 2004-2005 Studium Generale am Leibniz Kolleg Tübingen; 2005-2012 Studium der Fächer Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; 2007-2011 Tätigkeit als Wissenschaftliche Hilfskraft und Tutorin am Historischen Seminar der Universität Freiburg; 2011 Erstes Staatsexamen; 2012 Magisterexamen mit einer Arbeit über „Italienreise im Vormärz. Epigonalität und Originalität bei Fanny Lewald“; 2007-2012 Stipendiatin der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk; während des Studiums Auslandsaufenthalte in Prag und Rio de Janeiro; seit 2011 Programm-Mitarbeiterin im Literaturbüro Freiburg; seit 2012 Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am SFB 948 „Helden – Heroisierungen – Heroismen“ im germanistischen Teilprojekt B8 (Leitung: Prof. Dr. Achim Aurnhammer); Promotionsprojekt zu „Heroisierungsstrategien in der Biographik des George-Kreises“.

 

Dissertationsprojekt:
Heroisierungsstrategien in der Biographik des George-Kreises

Zwischen 1900 und 1933 erschienen im Kreis um Stefan George etliche sog. ‚Gestalt’-Biographien, oftmals unter dem Siegel seines Periodikums Blätter für die Kunst. Die Texte präsentieren und inszenieren bedeutende historische Herrscher-Persönlichkeiten wie Cäsar, Friedrich II., Napoleon und Geistesgrößen wie Platon, Shakespeare, Goethe und Nietzsche. Neben Mitgliedern des George-Kreises – darunter die Literaturwissenschaftler Friedrich Gundolf und Ernst Bertram, der Historiker Ernst H. Kantorowicz und der Jurist Berthold Vallentin – zählten auch kreisaffine Wissenschaftler zu den Autoren. Den Texten ist die Auffassung gemeinsam, dass sich das Heroische in der Darstellung der ‚Gesamtgestalt‘ eines Menschen offenbart. Sie sind deshalb von einer holistischen Sicht auf die einzelne Person gekennzeichnet und bieten eine Gesamtdeutung der jeweiligen Heldenfigur ohne positivistisch verfahrend lediglich Material zu sammeln und Quellenaussagen aneinanderzureihen. Die Grenze zwischen faktualem Bericht und fiktionaler Ausgestaltung ist fließend. Die Auswahl der Heroen deutet auf das komplexe Verhältnis von Geistesheldentum und Tatheldentum hin, deren Antinomie auch das lyrische Werk Georges prägt. Georges Vorstellungen – so die Arbeitshypothese – beeinflussten die Heroisierungsstrategien und Inszenierungspraktiken der Kreismitglieder in erheblichem Maße. Es gilt zu fragen, ob und inwiefern Tat- und Geisteshelden gleichermaßen zu charismatischen Helden stilisiert wurden. Untersucht werden Friedrich Gundolfs Goethe (1916) und Caesar. Geschichte seines Ruhms (1924), Ernst Bertrams Nietzsche. Versuch einer Mythologie (1918), Berthold Vallentins Napoleon (1923) und Wolfram von den Steinens Bernhard von Clairvaux (1926). Ziel des Dissertationsprojekts ist es, anhand der ausgewählten Texte das Heldenkonzept des George-Kreises als spezifisches Phänomen seiner Zeit zu analysieren und zu konturieren.

 

In drei Arbeitsschritten werden Präsentation und Konstruktion der ‚großen Gestalten’ erforscht. Erstens erfolgt eine Analyse der erzählerischen Heroisierungsstrategien. Eine am close reading orientierte narratologische Untersuchung soll die fiktionale Überformung des Faktualen offenlegen. Dabei werden Titel, Struktur und Kapitelanlage der Bände, Auswahl der Inhalte und ihr Arrangement sowie Auswahl und Inszenierung der heroischen Qualitäten, Erzählerperspektive, Erzählmuster und -stil, Metaphern und Topoi analysiert. Zweitens wird die Textanalyse auf die im Kreis entstandenen programmatischen Schriften zum Heroischen, etwa Friedrich Gundolfs Dichter und Helden (1921), und Briefwechsel sowie auf die Inszenierungstechniken in Bildmedien ausgedehnt. Heroisierende Darstellungen von Kreismitgliedern in Fotografien, Zeichnungen und Portraitbüsten prägten die Innen- wie Außenwahrnehmung des Kreises und erfordern eine intermediale Perspektive. Drittens erfolgt eine historiographiegeschichtliche Kontextualisierung. Die Monographien werden als kulturhistorische Zeugnisse einer wissenschaftlichen Praxis verstanden, die in ihrem Affront gegen positivistische Ansätze als antimodern galt. Unter Berücksichtigung von zeitgenössischen Quellen wie Briefen, Rezensionen, Gegenschriften, Würdigungen und Nachrufen wird herausgearbeitet, dass der Entwurf ihres Heroen-Bildes der herrschenden wilhelminischen Heldenauffassung entgegenstand und von den Zeitgenossen kontrovers diskutiert wurde. Die außerästhetische, möglicherweise didaktische Funktion der Texte soll zudem im Vergleich mit anderen wissenschaftlichen Publikationen der Zeit, etwa Matthias Gelzers Cäsar. Der Politiker und Staatsmann (1921) und Emil Ludwigs Goethe (1920) erarbeitet werden, um so ihre Spezifik besser verstehen und sie als einen Teil der Wissenschaftsgeschichte bestimmen zu können.

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